Mehr Durchsetzungsstärke für Tagespflegepersonen
Workshop für Tagesmütter- und Väter, Erzieherinnen und Erzieher, Kita-Fachpersonal im Auftrag des Jugendamts Mannheim
Wer Kinder nach pädagogischen Richtwerten erzieht, der weiß, wie man sich ihnen gegenüber durchsetzt, Grenzen setzt und dennoch liebevoll mit den Kleinen umgeht.
Eine große Herausforderung kann jedoch der Umgang mit den Eltern sein – Menschen, die die eigene Grenze überschreiten, in dem sie die Kinder regelmäßig zwanzig Minuten später abholen oder bringen als vereinbart, die mehr und mehr ausgefallenere und individuellere Essenswünsche an die Betreuungsperson richten und die den einen oder anderen bissigen Kommentar im Vorbeigehen formulieren. Dinge bei Eltern ansprechen, die nicht gut laufen, fällt fast allen Betruungspersonen schwer.
Auch der Umgang mit Kolleginnen und Kollegen oder Führungskräften kann nicht einfach sein.
Diese und andere Herausforderungen haben 23 Frauen und ein Mann in meinem Workshop am 25. April 2026 im Stadthaus Mannheim formuliert und Techniken gelernt, wie sie sich besser durchsetzen können.

Ich habe diesen Workshop schon häufig für Personen aus anderen Kontexten gehalten und mit Gruppen gearbeitet. Die Zielgruppe Erzieherinnen und Erzieher funktionierten aber anders, wie ich festgestellt habe:-).
Herausforderungen
Oftmal sind es auch individuelle Herausforderungen, denen es den Frauen und Männern schwer machen, sich gegenüber den Eltern, Kundinnen und Kunden durchzusetzen.
Es fällt schwer:
- Grenzen zu ziehen, sie aufrechtzuerhalten
- Nein zu sagen und den „Ja-sag-Reflex“ abzustellen
- der Körper soll auch Nein sagen, wenn Nein gemeint ist
- den Lächelreflex abzutrainieren (man muss nicht immer zu allem lächeln und „Kein Problem“ oder „kein Thema“ sagen)
- den Impuls abzustellen, es den anderen immer Recht machen zu wollen
- Konflikte anzusprechen
- sich Raum zu nehmen
- sich nicht zu entschuldigen für Dinge, für die man nicht verantwortlich ist
- Selbstsicherheit zu gewinnen
- Erziehung (sei leise, sei brav, pass dich an)
- Kulturelle Prägung (älteren Personen darf man nicht widersprechen, Frauen sollten generell nicht widersprechen)
Übungen
Diese Herausforderungen sind wir gemeinsam mit Übungen angegangen. Ich habe die Teilnehmerinnen u.a. in Zweier und Dreier-Gruppen aufgeteilt und Sie gebeten, im Rollenspiel und Übungssituationen eine unangenehme Situation im Elterngespräch anzusprechen, Nein zu sagen, sich über vergangene und typische Situationen auszutauschen, Schlagfertigkeit zu trainieren, ihrem Gefühl zu vertrauen.

In offenen Gesprächsrunden tauschten sich die Frauen und der Mann aus, was Ihnen typischerweise schwer fällt und berieten sich offen darüber, was sie tun können.
Weitere Übungen in der großen Gruppe bezogen sich darauf, Blickkontakt zu halten und den Effekt zu spüren, wegzuschauen, einen Raum zu betreten, eine starke Power Pose einzunehmen etc. Zusammengefasst ging es um Körperhaltung, Sprache und die innere Haltung.
Hebel, um eskalierende Konflikte zu bewältigen, können je nach Kontext z.B. die enge Zusammenarbeit mit dem Jugendamt oder das Einbindunden der Polizei sein. Was immer hilft ist Vernetzung und Austausch mit anderen Tagespflegepersonen. Und immer wieder das Einnehmen einer klaren Position und den eigenen Körper und die Stimme als Instrument und Werkzeug einzusetzen.
Büchertipps von mir und aus der Community





Danke an alle Teilnehmenden
Vielen Dank an alle Teilnehmenden, die sich mit viel Diskussionsfreude aktiv in die Übungen einbrachten. Manche Teilnehmerinnen kannte ich schon aus einem Mini-Workshop im Jahr zuvor, andere sagten, sie würden den Workshop gerne nochmal machen oder Teil 2 buchen. Denn das Gefühl, stark handeln zu dürfen und auch auf das eigene Gefühl vertrauen zu dürfen (wurde ich gerade beleidigt oder empfinde ich es nur so?) ist etwas, was man immer wieder durchlaufen darf bis es in Fleisch und Blut übergeht.

Danke an das Jugendamt Mannheim und das Stadthaus
Vielen Dank an die Verantwortlichen vom Jugendamt, die mich als Workshopleiterin gebucht haben. Das Stadthaus in Mannheim bot ebenfalls großartige Workshopatmosphäre. Ich konnte die relativ große Gruppe (24 Personen) in zwei Räume aufteilen und sie so gut miteinander arbeiten lassen.
Der Workshop war eingebettet in das Weiterbildungsprogramm des Jugendamtes. Für die Tagespflegepersonen ist es verpflichtend, an dem Programm teilzunehmen. Die Angebote sind frei wählbar.



Ich komme gerne wieder!
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